Arbeitskreis: Interpretative Forschung in der Mathematikdidaktik
Abstract
Vom 28. bis 30. November fand das jährliche Treffen des Arbeitskreises Interpretative Forschung an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd statt. Rund 30 Teilnehmende – von Professor:innen über Postdocs bis hin zu Doktorand:innen – aus zehn verschiedenen Universitätsstandorten kamen zusammen, um aktuelle Projekte vorzustellen, Transkripte zu analysieren und methodologische Fragen der interpretativen Forschung zu diskutieren.
Im Zentrum des Arbeitskreistreffens standen fünf Interpretationssitzungen, in denen traditionell in bis zu vier parallel ablaufenden Kleingruppen von Teilnehmenden mitgebrachte Transkripte gemeinsam analysiert wurden. Die intensive Arbeit an aktuellen Daten mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten bot vielfältige Anlässe für reflektierte Diskussionen, kollegialen Austausch und die Weiterentwicklung interpretativer Perspektiven. Abgerundet wurde das Programm durch zwei themenspezifische Programmpunkte, einem Hauptvortrag und einer moderierten Diskussionsrunde mit einem Impulsvortrag zu methodologischen Fragen.
Der Hauptvortrag des diesjährigen Arbeitskreistreffens mit dem Titel „Wenn Routinen zu Deutungen werden – Mathematische Erfahrungsbereiche im Kindergarten“ wurde von Dr. Anna-Marietha Vogler (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) gehalten. Frau Vogler arbeitete in ihrem Vortrag heraus, dass indirekte Lernprozesse eine Schlüsselvariable im frühen mathematischen Lernen in der Kindertagesstätte darstellen. Aufbauend auf einer (ko-)konstruktivistischen Perspektive auf mathematisches Lernen zeigte der Vortrag, dass mathematisches Lernen bereits im frühen Alter beginnt, im institutionellen Kontext des Kindergartens jedoch oftmals indirekt verläuft. Um diese indirekten Lernprozesse analytisch fassbar zu machen, wurde im Vortrag eine Verbindung der Interaktionstheorie mathematischen Lernens mit Ansätzen der objektiven Hermeneutik vorgeschlagen. Diese methodische Erweiterung erlaubt es, nicht nur explizite Bedeutungszuschreibungen, sondern auch die latente, nicht verhandelte mathematische Tiefenstruktur in Fachkraft-Kind-Interaktionen zu rekonstruieren.
Die Diskussionsrunde zu methodologischen Fragen der interpretativen Forschung wurde von einem Impulsvortrag von Dr. Sebastian Kollhoff (Universität Bielefeld) mit dem Titel: „Ist das Intuition oder Interpretation? Fragen zur Reflexion und Darstellung interpretativer Forschung“ eingeleitet. In seinem Vortrag reflektierte Herr Kollhoff das Vorgehen in interpretativen Forschungsprozessen und arbeitete an ausgewählten Stellen wiederkehrende Fragen heraus, die im Rahmen von Reviewprozessen, Vortragsdiskussionen und der Beantragung von Fördermitteln an den interpretativen Zugang gestellt werden. In Kleingruppen und einer anschließenden Plenumsdiskussion wurden diese Fragen und mögliche Antworten rege diskutiert.
Das Arbeitskreistreffen unterstrich erneut die Bedeutung kollegialer Interpretationspraxis für die interpretative Forschung und stärkte das wissenschaftliche Netzwerk der interpretativ forschenden Mathematikdidaktiker:innen. Die kontinuierliche Arbeit des aktuellen Arbeitskreises findet ihren Niederschlag in den Sammelbändern „Mathematiklernen aus interpretativer Perspektive“, welche im Waxmann Verlag in der Reihe „Empirische Studien zur Didaktik der Mathematik“ erscheinen. Der dritte Sammelband erscheint im Frühjahr 2026.
Das nächste Treffen des Arbeitskreises findet vom 27.11.- 29.11.2026 an der Technischen Universität Chemnitz statt. Weitere Informationen über die konkrete Planung des nächsten Treffens oder über weitere geplante Veröffentlichungen erhalten Sie über den GDM-Mailverteiler des Arbeitskreises.
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